Der syrische Präsident Baschar Al-Assad ist überzeugt, daß Israel nicht
ernsthaft an Frieden interessiert ist. Alle Tatsachen deuteten darauf
hin, daß dieses Land die Region in einen neuen Krieg stürzen wolle
sagte er bei einem Gespräch mit dem spanischen Außenminister Miguel
Moratinos am Mittwoch in Damaskus. Bei einer Pressekonferenz mit seinem
spanischen Amtskollegen forderte der syrische Außenminister Walid
Muallim Tel Aviv auf, seine Drohungen gegen Gaza, den Libanon, Iran und
Syrien zu unterlassen. Israel schaffe in der Region eine
»Kriegsatmosphäre«, so Muallim und verwies auf Äußerungen von dessen
Verteidigungsminister Ehud Barak. Dieser hatte Anfang der Woche vor
israelischen Militärs erklärt, das fehlende Friedensabkommen mit
Damaskus werde zu einem »neuen, gewaltsamen Konflikt« in der Region
führen. Die Israelis sollten »Syrien nicht provozieren«, so Muallim.
»Ihr wißt, daß der Krieg eure Städte nicht verschonen wird.« Moratinos
erklärte hingegen, er habe »keine Kriegstrommeln in Israel gehört«,
vielmehr spreche man dort vom Frieden.
Der israelische
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zeigte sich am Mittwoch
optimistisch, daß der Friedensprozeß mit den Palästinensern »ohne
Vorbedingungen in den kommenden Wochen« wieder aufgenommen werden
könne. US-Sondervermittler George Mitchell hatte Ende Januar auf beiden
Seiten dafür geworben, eine »Atmosphäre« für die Wiederaufnahme von
Gesprächen zu schaffen. Palästinensischen Quellen zufolge sollen die
Israelis ihre militärischen Operationen in der sogenannten »Zone A« der
besetzten Westbank einstellen, dieses Gebiet steht offiziell
vollständig unter Kontrolle der Palästinensischen Autonomiebehörde. Das
israelische Militär solle sich auch aus Teilen der »Zone B«
zurückziehen, die teilweise unter palästinensischer Kontrolle steht.
Zudem sollten palästinensische Sicherheitskräfte in der »Zone C«
operieren dürfen, die vollständig unter israelischer Militärkontrolle
ist.
Zwar verknüpft der palästinensische Präsident Mahmud Abbas
offiziell noch immer die Wiederaufnahme von Gesprächen mit einem
völligen Stopp des Siedlungsbaus. Doch das hinderte seinen amtierenden
Ministerpräsidenten Salam Fayyad nicht daran, neben Netanjahu und Barak
auf der Herzlya-Konferenz Anfang der Woche zu sprechen und sich mit
letzterem offiziell zu treffen. Die viertägige Konferenz ist bekannt
als Plattform, auf der die zukünftige Politik Tel Avis erörtert wird
und versammelt hochrangige israelische Redner aus Wirtschaft, Politik
und Militär. Hamas-Sprecher Sami Abu Zuhri kritisierte die Teilname
Fayyads scharf. Sie zeige, daß »die Palästinenserbehörde ihre Projekte
mit den Interessen und der Politik Israels verknüpft«.
»Der
Countdown für einen zweiten Krieg im Gazastreifen läuft«, schrieb
derweil der israelische Kolumnist Bradley Burston in einem Beitrag der
Tageszeitung Haaretz. Und Generalmajor Yom-Tov Samia vertrat wenige
Tage später im Armeesender die Ansicht, die israelischen Truppen müßten
ein weiteres Mal in den Gazastreifen einmarschieren und den 14
Kilometer langen Philadelphia-Korridor an der Grenze zu Ägypten
besetzen. Dort verlaufen Hunderte Tunnel, die Lebensader der
eingesperrten Palästinenser, die diese wohl kaum kampflos aufgeben
würden. Eine solche Gefechtsrunde würde heftiger verlaufen und
dauerhafte Ergebnisse einschließlich der Wiederbesetzung des
Gazastreifens erzielen, so Samia. Um die Kampfbereitschaft seiner
Truppe unter Beweis zu stellen, hat Israel am Montag Militärübungen in
der Negev-Wüste begonnen. Die Armee müsse auf einen Krieg vorbereitet
sein, sagte der Generalstabschef Gabi Ashkenazi.
17 April 2010 - 19:30
News ID: 178041
Politiker in Tel Aviv und Medien sprechen immer öfter davon, den Gazastreifen erneut militärisch zu überfallen. Haaretz: »Der Countdown läuft!«